Yoga in der globalen Diskussion

Viele Menschen verbinden mit Yoga Meditation, zur Ruhe kommen, eine Reise zum Inneren Ich. Dass es sich beim Yoga darüber hinaus um ein gesundheitliches Tool mit großem Potenzial handelt, ist den wenigsten bewusst. In den letzten Jahren wird vermehrt die globale Relevanz dieses Tools diskutiert. Die Reise zum Inneren Ich könnte mehr Einfluss auf die Gesellschaft haben, als auf den ersten Blick vermutet.

Ende des Jahres 2014 wurde auf Anraten des indischen Premierministers Narendra Modi der Weltyogatag eingeführt. Dieser wird seitdem jeden 21. Juni zelebriert. Beeindruckend ist, dass sich 177 der 193 UN-Mitgliedstaaten für die Etablierung des Tages aussprachen.
Narendra Modi betont in seiner Rede, die er anlässlich eines UN-Meetings im Rahmen der General Assembly 2014 hielt, in erster Linie den positiven Effekt, durch Yoga ein Gefühl von Einheit mit sich selbst, der Welt und der Natur zu erfahren. Durch diesen solle sich das Stärken der traditionsreichen Körperertüchtigung auch positiv auf unseren Umgang mit dem Klimawandel auswirken (1, 2, 3).

Über diese Vorzüge hinaus, in der Rede jedoch nur kurz angeschnitten, gibt es noch weitere Gründe, aus denen sich mehr und mehr Stimmen für eine Integration von Yoga in die globale Gemeinschaft aussprechen.

Durch Studien belegt

Zahlreiche Studien belegen, dass sich das regelmäßige Praktizieren von Yoga förderlich auf den Gesundheitszustand bei Menschen jeden Alters und jeder Fitnessstufe auswirkt (1, 4, 5).
Insbesondere bei vielen der, in unserer Zeit so relevanten, chronischen Krankheiten verspricht Yoga Linderung. So senkte es beispielsweise den Blutzucker bei Diabetes-Kranken und verringerte Blutdruck und Herzfrequenz bei verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch im psychotherapeutischen Bereich verbesserte Yoga den Zustand zahlloser Patientinnen und Patienten (6, 7, 8). Die Wirksamkeit, die ein kontinuierliches Training auf den Körper hat, entspricht in etwa der von Psychotherapie. Eine kombinierte Therapie übertrifft beide Einzelkomponenten, so dass Yoga in den meisten Fällen gewinnbringend ist (9, 10). Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitenden kostenlose Yogastunden an, um dem krankheitsbedingten Ausfall vorzubeugen. Durch den Einsatz von Yoga als Bestandteil der Gesundheitsversorgung, verspricht man sich letztendlich eine Kostensenkung im Gesundheitswesen. Als präventive Maßnahme soll Yoga die Inzidenz vieler Erkrankungen reduzieren (8).
Durch die sogenannte moderne Lebensweise leiden bedeutend mehr Menschen an chronischem Stress und Burnout. Zahllose Studien belegen die Wirksamkeit der Yogapraxis gegen diese Phänomene (1, 6). Ein weiterer Grund für die Verfechter des Weltyogatags, mehr Yoga im Gesundheitssystem zu fordern (5).

Die WHO äußert sich ebenfalls wohlwollend dem Yoga gegenüber. Es sei trotz seiner 5000 Jahre alten Tradition noch heute sehr wichtig, da es sowohl als physische Betätigung fungiere, als auch als effektive Methode, Stress zu reduzieren. Insbesondere die Südostasien-Fraktion der WHO ist der Überzeugung, dass es unabdingbar für die Entwicklung einer globalen Gesundheit ist, traditionelle evidenzbasierte Medizin in ihr Programm zu integrieren. Staaten sollen bei der Umsetzung solcher Ansätze unterstützt werden (4, 5, 8). Einer der aktuellsten Artikel zu diesem Thema, welcher sich auf der Website der WHO findet, thematisiert auch die COVID-19 Krise in Zusammenhang mit Yoga. So ist gerade in der aktuellen Lage die Tatsache, dass Yoga überall und zu jeder Uhrzeit praktiziert werden kann, ein großer Vorteil. Entzündliche Prozesse werden durch Yoga vermindert, was unter anderem das Immunsystem stärkt (6, 7, 8). Eventuell könnte auch dies einen Grund dafür darstellen, noch während der Corona-Pandemie mit dem Training zu beginnen. Außerdem postuliert die WHO die Yogapraxis als unabhängig vom sozioökonomischen Status (5, 8, 11). Um den kostenfreien Zugang zu Online-Yogakursen zu ermöglichen, hat die WHO diesen Sommer eine eigene Yoga-App entwickelt (12). Auch Gender oder Glauben hindern laut WHO niemanden an der Praxis (8). Hierbei sollte erwähnt werden, dass es durchaus kritische Stimmen aus der muslimischen indischen Partei All India Majlis-e-Ittehadul Muslimeen gab, die bemängelten, dass beim Yoga die Sonne angebetet werden müsse, was dem Islam widerspreche. Dabei bezog sich der Parteivorsitzende auf den Sonnengruß, welcher auch Sonnengebet genannt wird. Dennoch haben die meisten muslimischen Länder in der UN-Abstimmung 2014 für einen Weltyogatag gestimmt (2, 13).
Um ihre unter anderem im Rahmen der 2013 gestarteten „Traditional Medicine Strategy 2014–2023“ festgelegten Ziele zu erreichen, soll das volle Potenzial des Yogas ausgeschöpft werden. Dieses solle zum Beispiel dabei helfen, bis 2025 die durch nicht übertragbare Krankheiten verursachte Mortalität um ein Viertel zu senken. Zu diesem Zwecke arbeiten WHO und AYUSH (Ministry of Ayurveda, Yoga & Naturopathy, Unani, Siddha and Homoeopathy) gemeinsam für ein Yogatraining im medizinischen Sinne (7, 14).

In Anbetracht der Tatsache, dass die WHO 1946 festgelegt hat, dass Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Krankheit darstellt, sondern das völlige körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden, könnte man Yoga als Wunderwaffe bezeichnen (11). Wie weiter oben bereits erwähnt, beugt es verschiedenen Erkrankungen vor oder mildert diese (6). Darüber hinaus verhilft es zu einem besseren Schlaf, besserem Konzentrationsvermögen, generell besseren kognitiven Leistungen sowie einer besseren Verbindung von Körper und Geist (8, 9).

Yoga im Gesundheitssystem am Beispiel von MediYoga

MediYoga wurde ursprünglich in Schweden von Elisabeth und Anders Engqvist, beide bilden Yogalehrende aus, sowie Göran Boll, international aktiver Yoga- und Meditationslehrer, gegründet. Mittlerweile gibt es MediYoga in 14 Ländern. Ziel von MediYoga ist es, ein therapeutisches Yoga zu etablieren, welches Medizin und Yoga vereint. Hierfür wird medizinisches Personal, welches über mindestens 100 Stunden Studium im Bereich Anatomie und Physiologie verfügen muss, zu Yoga-Lehrenden ausgebildet. Auf diese Weise sollen Techniken des traditionellen Ansatzes leichter und regelmäßiger in den Alltag von Krankenhäusern und ähnlichem eingebaut werden. Der Nutzen der angewandten Techniken sei höher, wenn regelmäßig geübt werde, selbst dann wenn die Gesamtdauer des Trainings relativ gering bleibe.
Insgesamt wird das MediYoga-Programm in über 350 Krankenhäusern und Einrichtungen in Skandinavien angewandt. Gemeinsam mit dem Danderyd Hospital Stockholm werden immer wieder Studien zur Wirksamkeit des MediYoga-Ansatzes durchgeführt (16, 17).
Beispielsweise leitete Maria Wahlström 2011 eine Studie darüber, wie sich therapeutisches Yoga auf Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt auswirkt oder 2019 über die positiven Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern. Es zeigte sich in der MediYoga praktizierenden Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine Besserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, sowie eine Senkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks (17, 18).
Im Großen und Ganzen ist der MediYoga-Ansatz deshalb von Interesse, weil er ermöglicht, die eher in Südostasien traditionell verankerten medizinischen Nutzen der Yogapraxis, in den „westlichen“ Kontext zu integrieren: Durch die medizinische Ausbildung der Yogalehrenden können Vorbehalte gegen die spirituelle Technik ausgeräumt werden. Die Zusammenarbeit mit beziehungsweise das Arbeiten in Krankenhäusern vereinfacht die Durchführung wissenschaftlicher Studien. Auf lange Sicht sollte es daher einen Zuwachs an evidenzbasierten Methoden und Anwendungen der Yogapraxis geben, was es vermutlich erleichtern wird, die Leistung als Gesundheitskosten abzurechnen oder Yoga gar in Leitlinien einzelner Krankheitsbilder zu integrieren.

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Quellen

  1. Taneja DK. Yoga and health. Indian J Community Med. 2014; DOI: 10.4103/0970-0218.132716
  2. International Yoga Day: What you need to know, vom 10 Jun 2015. https://www.livemint.com/Politics/xtn4Aj0NvVucrWH9r8oaJJ/International-Yoga-Day-What-you-need-to-know.html
  3. Modi N. Statement by H.E. Narendra Modi, Prime Minister of India. General Debate, General Assembly of the United Nations 2014; https://www.un.org/en/ga/69/meetings/gadebate/27sep/india.shtml
  4. Singh PK. International Day of Yoga. WHO Statement 2017; https://www.who.int/southeastasia/news/detail/20-06-2017-international-day-of-yoga
  5. Singh PK. First International Day of Yoga. WHO Statement India 2015; First International Day of Yoga (who.int)
  6. Stephens I. Medical Yoga Therapy. Children (Basel). 2017; Published 2017 Feb 10. DOI: 10.3390/children4020012
  7. Singh PK. Yoga is a valuable tool to increase physical activity and decrease noncommunicable disease. WHO Statement India 2018; https://www.who.int/southeastasia/news/detail/20-06-2018-yoga-is-a-valuable-tool-to-increase-physical-activity-and-decrease-noncommunicable-disease
  8. Singh PK. International Day of Yoga 2020. WHO Speeches 2020; https://www.who.int/southeastasia/news/speeches/detail/international-day-of-yoga-2020
  9. Balasubramaniam M et al. Yoga on our minds: a systematic review of yoga for neuropsychiatric disorders. Front. Psychiatry 2013; DOI: 10.3389/fpsyt.2012.00117
  10. Klatte R et al. The efficacy of body-oriented yoga in mental disorders-a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2016; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0195
  11. Scaffidi E. UN spotlights health benefits of yoga, ancient practice that can ease stress of our modern 'laptop' lives. UN News 2017; https://news.un.org/en/story/2017/06/560092-un-spotlights-health-benefits-yoga-ancient-practice-can-ease-stress-our-modern
  12. https://www.who.int/news/item/20-06-2021-who-launches-mobile-application-for-yoga
  13. https://www.dnaindia.com/india/report-asaduddin-owaisi-objects-to-yoga-day-in-maharashtra-schools-2092482
  14. WHO Traditional Medicine Strategy 2014-2023 WHO Library Cataloguing-in-Publication Data WHO traditional medicine strategy: 2014-2023.
    1.Medicine, Traditional. 2.Complementary therapies. 3.Health planning. 4.Delivery of health care. 5.Health policy. I.World Health Organization. ISBN 978 92 4 150609 0 (NLM classification: WB 55)
  15. Klatt M et al. Beyond the East/west Dichotomy-The Course Yoga: Theory and Practice Conveys Benefits of an Ayuverdic Lens for Global Health. Glob Adv Health Med. 2019; DOI: 10.1177/2164956119847931
  16. https://us.mediyoga.com
  17. https://us.mediyoga.com/research/
  18. Wahlström M et al. MediYoga as a part of a self-management programme among patients with paroxysmal atrial fibrillation - a randomised study. Eur J Cardiovasc Nurs. 2020; DOI: 10.1177/1474515119871796

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