Rheumatoide Arthritis: Hohe Krankheitsaktivität bei niedrigen Vitamin D-Spiegeln

Die rheumatoide Arthritis (RA) gehört weltweit zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen. Aufgrund der bekannten immunmodulatorischen Eigenschaften von Vitamin D wird vermutet, dass die Aktivität der Erkrankung mit dem Vitamin D-Spiegel im Serum zusammenhängt. In der vorliegenden Studie (1) wurde dieser Zusammenhang erneut überprüft.

In der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen wie der RA spielt das Ungleichgewicht zwischen TH1 Zellen, die gegen körpereigene Strukturen gerichtet sind, und TH2 Zellen eine wesentliche Rolle. Die Entdeckung, dass Calcitriol (1,25 Dihydroxy-Vitamin D3) die T-Zell-vermittelte Immunantwort beeinflusst, machte Vitamin D3 auch für die Rheumaforschung interessant. Tatsächlich ist ein Vitamin D-Mangel bei RA-Patienten weit verbreitet (2,3) und es scheint ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Einnahme von Vitamin D und Auftreten einer RA (5)
sowie dem Schweregrad der Erkrankung zu bestehen (4,6,7).

Hans J. Haga und Kollegen liefern mit ihrer Untersuchung neue Hinweise auf eine Assoziation zwischen einem Vitamin D-Mangel und der RA. Ziel der Studie war, mögliche Zusammenhänge zwischen dem Blutspiegel des Vitamin D-Metaboliten 25-OH-D bei RA-Patienten und der Krankheitsaktivität aufzuzeigen. Dazu wurden die 25-OH-D-Konzentrationen von 302 RA-Patienten bestimmt. Ein Vitamin D3-Mangel mit Serumwerten unter 50 nmol/l lag bei 101 RA-Patienten vor (33, 4 %), was die bereits früher beobachtete hohe Prävalenz des Vitamin D-Mangels bei RA-Patienten bestätigt.

Eine signifikante Korrelation zwischen den gemessenen 25-OH-D-Spiegeln und der Krankheitsaktivität nach dem DAS 28 Krankheitsaktivitätsscore fand sich bei einem ausgeprägten Vitamin D3-Mangel (25-OH-D3≤15 nmol/l). Die Unterschiede im Vergleich zu RA-Patienten mit 25-OH-D3-Werten im Normbereich waren:

  • Ein höherer Prozentsatz von Patienten mit positivem Rheumafaktor (100 versus 77,5 %; p=0,05),
  • Ein erhöhter CRP-Wert (28,7 versus 14,8 mg/l; p=0,001),
  • Eine höhere Anzahl von Patienten, die mindestens drei Antirheumatika (DMARDs disease-modifying antirheumatic drugs) erhielten (40 versus 14,5 %; p=0,02),
  • Eine höhere Zahl von Patienten mit hoher Krankheitsaktivität (DAS 28 score ≥5.1; 20 versus 4,5 %; p = 0,01), was einer unzureichend kontrollierten Krankheitsaktivität entspricht.
  • Ein geringeres Alter (54,5 versus 64 Jahre; p = 0,003) und
  • Eine kürzere Erkrankungsdauer (5,1 versus 10,3 Jahre; p = 0,06).

Fazit:

Die Ergebnisse der Studie erhärten die Vermutung, dass Vitamin D3 einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität bei Patienten mit RA hat. Zwar ist die therapeutische Wirkung einer Vitamin D3-Supplementation bei RA noch nicht geklärt, doch lassen die vorliegenden Daten eine ausreichende Vitamin D3-Versorgung bei RA-Patienten nicht nur unter osteologischen Gesichtspunkten als angezeigt erscheinen.

Literatur

  1. Haga HJ, Schmedes A, Naderi Y, Moreno AM, Peen E. Severe deficiency of 25-hydroxyvitamin D₃ (25-OH-D₃) is associated with high disease activity of rheumatoid arthritis. Clin Rheumatol. 2013 May;32(5):629-33.
  2. Idolazzi L, Bagnato G, Bianchi G, et al. Vitamin D deficiency in rheumatoid arthritis: prevalence, determinants, and associations with disease activity. A cross-sectional study. Ann Rheum Dis. 2010; 69 (Suppl 3) 516.
  3. Kerr GS, Sabahi IJ, Ricards JS, Caplan L, Cannon GW et al: Prevalence of Vitamin D Insufficiency/Deficiency in Rheumatoid Arthritis and Associations with Disease Severity and Activity. The Journal of Rheumatology vol. 38 no. 1 53-159.
  4. Kostoglou-Athanassiou I, Athanassiou P, Lyraki A, Raftakis I, Antoniadis C: Vitamin D and rheumatoid arthritis. Ther Adv Endocrinol Metab 2012. 3: 181-187.
  5. Merlino LA, Curtis J, Mikuls TR, Cerhan JR, Criswell LA, Saag KG. Vitamin D intake is inversely associated with rheumatoid arthritis: results from the Iowa Women’s Health Study. Arthritis Rheum. 2004;50(1):72–77.]
  6. Patel S, Farragher T, Berry J, Bunn D, Silman A, Symmons D: Association between serum vitamin D metabolite levels and disease activity in patients with early inflammatory polyarthritis. Arthritis Rheum 2007. 56: 2143-2149.
  7. Rossini M, Maddali Bongi S, La Montagna G, Minisola G, Malavolta N et al: Vitamin D deficiency in rheumatoid arthritis: prevalence, determinants and associations with disease activity and disability. Arthritis Res Ther 2010. 12: R 216.

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