Preisgekrönte Entwicklungshilfe: Francis Kéré zu Gast auf der Hevert-Fachtagung für Naturheilkunde

Hevert-Partner und mehrfacher Architekturpreisgewinner Diébédo Francis Kéré berichtete auf der Hevert-Fachtagung für Naturheilkunde mit anschließender Pressekonferenz am 8. Juni in Düsseldorf von den nachhaltigen Entwicklungsprojekten seines Vereins „Schulbausteine für Gando e.V.“. Erstmals konnten Zuschauer seinen Vortrag sowie die symbolische Schecküberreichung für die Hevert-Aktion „Gemeinsam für Kinder“ auch online live verfolgen.

Die Scheckübergabe: (v.l.) Marcus Hevert, Francis Kéré, Mathias Hevert.

Aus dem Nichts ist es Architekt Francis Kéré in wenigen Jahren gelungen, in seinem Heimatdorf Gando, in einer abgelegenen Gegend im westafrikanischen Burkina Faso, durch Spendensammlungen einen Schulkomplex aus dem Boden zu stampfen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ökonomische und klimatische Überlegungen bestimmten von vorneherein die Auswahl der Baumaterialien. „Lehm ist unbegrenzt verfügbar, die Lehmwände halten die afrikanische Hitze ab und regulieren die Temperaturen in den Klassenräumen. Die großen, überhängenden Dächer schützen die Fassaden der Schulen in der Regenzeit und lassen kühle Luft zwischen Dach und Lehmdecke hereinströmen“, erklärt der Architekt die Basis seiner Bauweise dem Publikum. „Fast noch wichtiger ist, dass die Bevölkerung beim Bau aller Gebäude maßgeblich beteiligt war und die traditionelle Lehmbauweise wieder eine Aufwertung erlebt und die Bevölkerung nicht blind den Einsatz von teuren und klimatisch ungünstigen Baustoffen wie Beton fordert, nur weil diese in Europa im Einsatz sind“, so Kéré.

Von den Fortschritten des Schulbauprojekts haben sich die Hevert Gesellschafter bereits zweimal selbst überzeugen können. „Bei unseren Besuchen in Gando wurden wir wie Könige von der gesamten Dorfgemeinschaft empfangen – bei einem großen Fest als Ehrengäste – und haben gemeinsam die unglaublichen Fortschritte beim Bau bestaunt“, berichtete geschäftsführender Gesellschafter Mathias Hevert von seinen Erinnerungen. „Gerade weil wir die Begeisterung der Menschen für die Projekte erlebt haben, sind wir sehr stolz, als Partner diese großartige Arbeit weiter vorantreiben und unterstützen zu können“, ergänzte Marcus Hevert während der anschließenden symbolischen Scheckübergabe über 25.000 Euro.

Familie Hevert mit Schülern in Gando.

Seit Anfang 2009 läuft die Aktion „Gemeinsam für Kinder“, für welche Hevert-Arzneimittel 1 Cent je verkaufter Arzneimittelpackung an den Verein spendet. Mit der Unterstützung seiner Kunden hat Hevert seit 2006 bereits rund 175.000 Euro an den Verein gespendet.

Seit 2005 wurde die zuerst von Kéré gebaute Grundschule um Lehrerhäuser, einen Erweiterungsbau, eine Bibliothek, Schulgärten und Sportplätze ergänzt. Mittlerweile werden dort 500 Kinder unterrichtet. Das neue Projekt, eine weiterführende Schule für 1.000 Schüler, komplettiert bald das Bildungskonzept in Gando. Für das Projekt mit dem offiziellen Namen „Secondary school with passive ventilation system, Gando, Burkina Faso“ wurden Francis Kéré und sein Team mit einem der weltweit höchst dotierten Architekturpreise ausgezeichnet, der Goldmedaille des Global Holcim Awards 2012.

„Ich war das erste Kind aus meinem Dorf, das eine Schule besuchen durfte“, begann Francis Kéré die folgende anschauliche Präsentation seiner Projekte. „Doch in meinem Heimatdorf Gando gab es damals noch keine Schule. Ich war erst sieben Jahre alt, als ich meine Familie verlassen und zu meinem Onkel in die Hauptstadt mit Schule ziehen musste.“

Es sollte nicht bei der einfachen afrikanischen Schulausbildung bleiben. „Ich bekam die einmalige Chance auf ein Stipendium der Carl Duisberg Gesellschaft für eine Ausbildung zum Entwicklungshelfer in Deutschland.“ Nach dieser Ausbildung holte er das Abitur nach und schrieb sich 1995 für ein Architekturstudium an der Technischen Universität in Berlin ein. „Meine Diplomarbeit war dann der Entwurf für die Grundschule in meinem Heimatdorf. Als ich diese jedoch auch tatsächlich bauen wollte, erklärten mich die Leute zuerst für verrückt“, berichtete er lachend. Er musste sich erst beweisen.

Schüler vor dem Hevert-Erweiterungsbau

Um das Projekt nachhaltig zu gestalten, waren einige Leitprinzipien maßgebend: ein ausgeklügeltes, natürliches Klimakonzept, kombiniert mit dem Einsatz der Bevölkerung und der Nutzung von lokalen Materialien. „Das war gar nicht so einfach. Seit der französischen Kolonialzeit glauben die Menschen in meiner Heimat, dass stabile, moderne Gebäude aus Beton gebaut werden müssen.“ Ein Material, das teuer, schwer zu beschaffen und absolut ungeeignet für die klimatischen Verhältnisse vor Ort ist. „Sie müssen wissen, meine Damen und Herren, dass es in der Trockenzeit in Burkina Faso im März bis zu 45 Grad heiß werden kann. Jetzt überlegen Sie sich einmal, was das für ein luftdichtes Schulgebäude aus Beton mit Wellblechdach bedeutet – es ist unerträglich.“

Kérés Lösung: moderne Architekturkenntnisse, traditionelle Baumaterialien und ein Schwerpunkt auf Lehm. Die Dorfbewohner waren jedoch zunächst skeptisch, ob diese Materialien den extremen Wetterbedingungen und Belastungen Stand halten würden. „Mehr als einmal musste ich auf Wände oder Dächer klettern, darauf herumspringen und demonstrieren, dass die Konstruktionen halten“, erzählte Francis Kéré lachend. Und das war wichtig: Die Akzeptanz und Überzeugung der Dorfbewohner von den Vorteilen natürlicher, traditioneller Materialien ist Teil des nachhaltigen Entwicklungsansatzes. „Die gesamte Dorfbevölkerung von Gando ist heute in den Bau der Schulgebäude involviert. Die erlernten Fähigkeiten können sie beim Bau des eigenen Hauses oder bei weiteren Projekten im Dorf selbstständig anwenden. Unsere Schule soll Schule machen!“.