40 Jahre im Dienste der Naturheilkunde

Nach rund 40 Jahren Hevert-Arzneimittel tritt Rosemarie Bamberger am 1. Dezember 2012 ihren wohlverdienten Ruhestand an.

Die dritte Hevert Generation dankt: v.l. Mathias Hevert, Rosemarie Bamberger-Wawrzyniak und Marcus Hevert.

Jeder Mensch braucht Mentoren – Menschen, die ihre Erfahrung und fachliches Wissen weitergeben und in der beruflichen und persönlichen Entwicklung unterstützend zur Seite stehen. Drei solcher Mentoren haben Rosemarie Bamberger-Wawrzyniak zu der Frau gemacht, die sie heute ist: Ein Arzt im Stift Krankenhaus Koblenz, der dem Bauernmädel die Augen für ihre Berufung zur Medizin öffnete. In ihrer Zeit als Krankenschwester ein Chefarzt, der ihr Wissen über die Maßen unterstützte und förderte. Und nicht zuletzt Hevert Mitgründerin Dorothea Hevert, deren Charakterstärke, Kraft und Leistungsvermögen sie als junge Frau zunächst bewunderte, sich über die Jahre jedoch auch zu Eigen machen konnte, verbunden mit einer großen Portion Herzenswärme.

Nach knapp 40 Jahren tritt Rosemarie Bamberger am 01. Dezember nun ihren Ruhestand an – doch es wird ein Abschied auf Raten.

Nach der Schulausbildung trat die gebürtige Jeckenbacherin Rosemarie Bamberger geb. Balder zunächst die Landwirtschaftslehre an. „So richtig Landwirt für drei Jahre“, lacht die heutige Hevert Beraterin und Heilpraktikerin. „Meine Mutter hatte einen schönen Bauernhof. Ich habe die Natur und die Landwirtschaft geliebt.“ Sie wollte die Meisterprüfung machen, Landwirtschaftsmeisterin werden. „Dazu brauchte ich einen Erste Hilfe Kurs.“ Für den Kurs musste das „junge Ding“, wie sie sich selbst bezeichnet, nach Koblenz ins evangelische Stift-Krankenhaus. „Ich war tatsächlich leidenschaftliche Bäuerin bis zu dem Tag, an dem ich im Krankenhaus in Koblenz einem fantastischen Menschen begegnet bin, dem damaligen Chefarzt der Klinik. Dieser Arzt sagte zu mir – ich war ja noch jung – (lacht): ‚Kind, du kriegst niemals einen Mann, die Bauern sind dir alle nicht recht. Du bist die geborene Krankenschwester‘. Das hatte gesessen. Daraufhin bin ich zu meiner Mutter und sagte: ‚Ich werde Krankenschwester!‘“ Die dreijährige Ausbildung absolvierte sie im städtischen Krankenhaus Meisenheim. „Dr. Klien in Meisenheim, ihn muss ich hier erwähnen, hat mein Wissen unterstützt und wahnsinnig viel mit mir gearbeitet. Sonst hätte ich das Wissen nicht, das ich heute habe.“ Das allein genügte ihr aber bald nicht mehr: Im Anschluss an die Ausbildung absolvierte sie zusätzlich die Weiterbildung zur OP-Schwester und saß dann fest im Sattel als Krankenschwester.

Während ihrer Zeit als OP-Schwester (l.) im Krankenhaus Bad Sobernheim.

Mehr Berufung als Beruf war das neue Leben als Krankenschwester für das Mädel vom Lande. „Es hat mir so viel Spaß gemacht. An erster Stelle der Kontakt zum Patienten, aber natürlich auch das Fachliche. Früher hatte man auch eine noch größere Verantwortung, konnte vieles machen, was man heute als Krankenschwester nicht mehr darf. Je schlimmer der Notfall, desto lieber war es mir. Das hört sich brutal an, aber so war es.“ 1974 wechselte Frau Bamberger ins Krankenhaus Bad Sobernheim und wurde dort Leiterin von OP, Unfallambulanz, Endoskopie, Chirurgie, Gynäkologie und HNO – alle Bereiche lernte sie kennen. „Es war sehr anstrengend, aber für mich waren es wunderschöne Jahre.“

„Und dann kam der spannende Moment: Dann kam Wolfgang Hevert“, erklärt sie lachend. Beide kannten sich aus Jugendzeiten, hatten sich aber aus den Augen verloren. „Er stand eines Morgens im OP in Sobernheim. Er ist einfach rein, mit seinen Straßenschuhen in den Vorbereitungsraum, und dann habe ich erst mal geschrien ‚Raus hier!‘“ Wolfgang Hevert hatte sich nach dem abgeschlossenen Pharmaziestudium dazu entschlossen auch noch Medizin zu studieren. Voraussetzung für das Studium war ein Krankenhauspraktikum. „Eines Tages – er erzählte später immer, dass er ein Schlüsselerlebnis mit mir hatte – gab es einen Notfall im Krankenhaus, bei dem ich wohl sehr couragiert gehandelt und ihn damit schwer beeindruckt habe. Danach meinte er: ‚Du, ich will dir mal meine Mutter und unsere Firma vorstellen.‘“ Die junge Krankenschwester wurde also in die damals noch kleine Firma Hevert in der Sobernheimer Kirchstraße zur Mutter und Firmenmitgründerin Dorothea Hevert eingeladen. „Es gab Schwarzwälder Kirsch und bei Kaffee und Kuchen haben wir uns sofort verstanden – ich Bauernmädel, sie Bauernmädel. (lacht) Während dem Kaffeetrinken hat Wolfgang dann plötzlich gesagt: ‚Du, Mutter, diese Rosemarie will ich in unserem Unternehmen haben. Kannst du dir das vorstellen, wenn wir auf Kongresse gehen, dass Rosemarie dann mitkommt?‘ Und Thea meinte dann gleich ‚ja, natürlich‘. Kurz, es hat einfach von Anfang an gepasst.“

Lachend gesteht Frau Bamberger, dass sie vor dem ersten Kongress, dem Deutschen Heilpraktiker Tag in Saarbrücken, erst einmal ausgiebig einkaufen gegangen ist. „Schöne Kostüme alles chic, chic, chic – auch weil Thea immer superchic war.“ Und das macht sie bis heute gerne. „Ich habe sicher – wenn ich das alles zusammenrechne, was ich investiert habe in Kleider und Kostüme – schon ein kleines Vermögen ausgegeben. Aber es hat mir auch wahnsinnig viel Spaß gemacht.“

Ich umfangreiches Wissen vermittelt Rosemarie Bamberger bei Fachtagungen an Therapeuten aller Altersklassen.

Ich umfangreiches Wissen vermittelt Rosemarie Bamberger bei Fachtagungen an Therapeuten aller Altersklassen.

Bis 1978 blieb sie neben den Kongressen dennoch im Krankenhaus fest angestellt, bis ihre Tochter Christina auf die Welt kam. „Ich wollte immer unbedingt ein Kind. Wenn ich Hevert nicht kennengelernt hätte, wäre ich vermutlich, als Christina groß war, wieder zurück in den OP – die Arbeit dort war einfach meine Leidenschaft. Aber ein kleines Kind und OP gleichzeitig? Das geht nicht. Das war mir klar in dem Moment, als ich mich für ein Kind entschieden habe.“

Die damals 30-Jährige entschied sich für eine Heilpraktiker-Ausbildung und arbeitete Anfang der 80er Jahre tageweise in der neueröffneten Praxis von jetzt Dr. med. Wolfgang Hevert in Wiesbaden. Aufgrund der stetig wachsenden Aufgaben in der Firma musste Wolfgang Hevert seine Praxis jedoch wieder schließen. Rosemarie Bamberger eröffnete als Heilpraktikerin schließlich ihre erste eigene Praxis in Meddersheim. „Von zuhause aus habe ich schon vorher aber auch parallel zu meiner Praxis viel für Hevert gemacht. Korrektur gelesen, beraten und natürlich die Kongresse besucht. Zwischendurch bin ich auch immer wieder mit Kind und Kegel im Büro vorbei gekommen.“ Das alles funktionierte nicht ohne private Unterstützung. „Immer, immer wenn ich weg war, war meine liebe Mutter da. Und Christina hat sich gefreut, wenn Oma am Wochenende auf sie aufpasste. Die Oma kam bis sie erwachsen war und sorgte so dafür, dass daheim alles gut lief. Sonst hätte ich das nicht machen können“, erklärt Rosemarie Bamberger dankbar.

An ihrem heutigen Arbeitsplatz berät Frau Bamberger Therapeuten auch telefonisch.

An ihrem heutigen Arbeitsplatz berät Frau Bamberger Therapeuten auch telefonisch.

Auf die Frage, wie sie sich von der OP-Schwester mit schulmedizinischer Ausbildung zur überzeugten Heilpraktikerin entwickeln konnte, erzählt sie gerne „Ja, Auslöser war mein allererster Kongress in Saarbrücken. Hevert-Arzneimittel hat sich zum ersten Mal etwas größer präsentiert. Und da stand uns die Firma Madaus gegenüber – ein riesiger Messestand. Madaus, das hatte ich zwar schon gehört, aber ich kannte mich in der Naturheilkunde nicht weiter aus – bis dahin war ich ja immer mit Allopathie zu Gange gewesen. Am Abend kam der Geschäftsführer von Madaus, damals schon ein älterer Herr, zu mir und sagte ‚Hevert? Wer ist Hevert?‘ Und ich antwortete, frech wie ich damals war, mit gespieltem Entsetzen ‚Was? Sie kennen Hevert nicht?‘ Und da sagt er ‚Sie beobachte ich schon den ganzen Tag. Und Sie sind eine Nette.‘ Da habe ich ihm gestanden, dass ich überhaupt keine Ahnung habe. Da hat er nur gemeint: ‚Das brauchen Sie gar nicht, Sie müssen nur so bleiben wie Sie sind – nett und freundlich – mehr brauchen Sie gar nicht.‘“ Aber natürlich reichte das der wissbegierigen Frau nicht. Sie schnappte alles auf, was Wolfgang Hevert und ihre übrigen Begleiter auf Kongressen von sich gaben, speicherte alles ab. „Und abends, wenn ich im Zug gesessen habe oder sonst Zeit hatte, habe ich mich immer mit Naturheilkunde beschäftigt. Auch in der Herstellung durfte ich ab und zu zuschauen und mithelfen. Trotzdem hätte ich den Schritt wahrscheinlich nie gemacht, hätte ich Hevert nicht kennengelernt. Hevert und der Umgang mit den netten Kunden haben mein Leben geprägt und ich kann gar nicht dankbar genug sein.“

1983 wurde die Heilpraktikerin schließlich offiziell bei Hevert angestellt. Seit Beginn ihrer Festanstellung betreute Frau Bamberger Therapeuten auch am Telefon. „Es gab Zeiten, zu denen pro Tag 50-60 Anrufe kamen.“ Die Therapeuten rufen an, wenn sie in der Praxis nicht mehr weiterkommen. Wenn sie einen Laborbefund haben oder ein Therapiekonzept von Hevert suchen. Die Vielfältigkeit der Aufgaben, Kontakt zu Menschen und nicht zuletzt die Medizin sind ihr bei ihrer Arbeit wichtig. „Und am besten gefällt mir natürlich auch die Präsentation draußen, bei Messen und Kongressen. Ich brauche Publikum. Ich hatte so eine große Möglichkeit, mich selbst zu verwirklichen, aus mir das zu machen, was ich heute bin. Solche Möglichkeiten und Glück, wie ich in meinem Leben hatte, hat man selten“, ergänzt sie dankbar.

Auf 40 Jahre im Dienste der Naturheilkunde

Was kommt für die jahrzehntelange Hevert Mitarbeiterin nun nach Hevert? „Ich werde Hevert beratend unterstützen und die Kongresse auf jeden Fall nach wie vor besuchen. Vor allem aber, was mir auch von Wolfgang und heute Mathias Hevert auferlegt und massivst gefördert wurde, ist die Aufgabe, mein Wissen kundzutun. Wolfgang Hevert hat immer gemeint ‚Du musst das, was du weißt, weitergeben, falls dir mal ein Ziegelstein auf den Kopf fällt‘ – das habe ich mir zu Herzen genommen.“ Therapeuten wird Frau Bamberger so weiter bei Fachtagungen die Therapie mit Hevert Arzneimitteln vermitteln. Auch von zuhause aus wird sie noch weiter beraten und Anrufe entgegennehmen. Diesem Wunsch vieler Therapeuten kommt sie gerne nach.

Mittlerweile wohnt Frau Bamberger-Wawrzyniak mit ihrem zweiten Ehemann Jürgen Wawrzyniak in Norheim. „Durch meinen Jürgen habe ich mich über die Jahre immer mehr für die klassische Musik begeistern lassen, habe immer wieder Kultur geschnuppert.“

Ob Rheingau Musik Festival, Mozart-Festpiele, Oper, Operette oder Theater – „Solche Veranstaltungen besuchen wir schon sehr ausgiebig."

„Und ich möchte jetzt nachholen, was zu kurz kam in all den Jahren, Bücher lesen – und zwar keine Fachliteratur! (lacht) Ebenso möchte ich mich sozial engagieren. Mir wird es sicher nicht langweilig!“