Vinzenz Prießnitz (1799–1851)

Prießnitz kann als der eigentliche Begründer der neuzeitlichen Hydrotherapie angesehen werden, da er seine zahlreichen in der Praxis erprobten Wasseranwendungen (diverse Wickel, Bäder, Duschen etc.) systematisch dokumentierte und in seiner 1830 eröffneten Heilanstalt in Gräfenberg nicht nur spezifisch verordnete, sondern auch im Tagesablauf der Kur durchdacht kombinierte.

Als einfacher Bauersohn geboren, kam Prießnitz durch einen eigenen, bei Feldarbeiten erlittenen Rippenbruch auf die Idee, diesen mit Wasserumschlägen zu behandeln, da ihm von Ärzten nicht geholfen werden konnte. Die Idee hierzu war wahrscheinlich der schlesischen Volksmedizin entlehnt.

Durch den Heilerfolg inspiriert, begann er autodidaktisch, sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Wasseranwendung zu beschäftigen. Zunächst mehrfach als Kurpfuscher bezichtigt und sogar gerichtlich verurteilt, gelang es ihm schließlich, mit offizieller Genehmigung der österreichischen Regierung eine Wasserheilanstalt zu führen. Allerdings musste er zusichern, allein durch äußere Anwendungen zu heilen und weder Medikamente noch chirurgische Methoden zu nutzen. Seine Wasserkuren erlangten schnell ein hohen Bekanntheitsgrad, und Prießnitz behandelte bis zu seinem Tod ca. 36.000 Patienten aus ganz Europa. Die über 50 verschiedenen von Prießnitz entwickelten Wasseranwendungen, wie etwa kalte Wickel, Sturzbäder, Trinkkuren, Kaltduschen oder Waschungen, wurden mit Bewegungseinheiten bzw. Schwitzkuren und einer kargen Diät aus Brot, Rohmilch und kalten, ungewürzten Speisen ergänzt.

Prießnitz selbst, der in seiner Kindheit die Schule nicht lange besucht hatte und nur bedingt lesen und schreiben konnte, hat selbst keine Schriften hinterlassen. Allerdings hatte er sich durch seine Methode bereits zu Lebzeiten einen solchen Namen gemacht, dass es zu zahlreichen schriftlichen Berichten über seine Methode kam.

Die Methode hatte viele Nachahmer, bereits 1842 existierten 45 Heilanstalten, die auf Basis des Prießnitzschen Konzeptes arbeiteten, und sogar an einigen Universitäten wurden Vorlesungen über die neue bzw. wiederentdeckte Therapiemethode gehalten.



Quelle:

Bolland, Axel. Eine Idee wird gelebt! Belacht – bedacht – dann nachgemacht! Sulzbach: CO’MED, 1999.

Jütte, Robert. Geschichte der Alternativen Medizin. Von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. München: Beck, 1996.

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