Sebastian Kneipp (1821–1897)

Sebastian Kneipp wurde als Sohn armer Webersleute geboren.

Infolge großer Entbehrungen und Anstrengungen erkrankte er um 1847 an Lungentuberkulose, die schließlich für unheilbar erklärt wurde.

Die orthodoxe Medizin hatte ihn aufgegeben, als ihm das Buch von Johann Hahn (1696–1773) über die Wasserheilkunde in die Finger geriet. Er probierte es systematisch aus, und badete selbst im Winter zwei- bis dreimal pro Woche in der Donau. Mit Disziplin und Geduld folgte er über Monate den von J. Hahn genannten kalten Wasseranwendungen. Durch konsequente Anwendung kalten Wassers gelang es ihm, die Krankheit zu überwinden. So gesundet durfte er zum Priester geweiht werden.

Kneipp schreibt in der Einleitung zu seinem Buch „Meine Wasserkur“: „Auf welche Weise bewirkt Wasser die Heilung?“

Auflösen, ausleiten, kräftigen.

Wasseranwendungen sind im Stande:

  • die Krankheitsstoffe im Blut aufzulösen;
  • das Gelöste auszuscheiden;
  • das so gereinigte Blut wieder in die richtige Zirkulation zu bringen;
  • endlich den geschwächten Organismus zu stärken und zu kräftigen.

Immer wieder schiebt er die Abhärtung in den Vordergrund. Abgehärtet sein bedeutet für ihn eine bessere Anpassung an das ganze Leben, nicht nur an Klima- und Witterungseinflüsse. Bei Menschen, bei denen eine Belastung bisher wenig möglich war, will er die Schwelle der Belastbarkeit erhöhen.

Dieses Problem hat in einer Zeit, die von Stressfaktoren geprägt ist, eine besonders aktuelle Bedeutung. Bezüglich der Ernährung lauteten seine Hauptregeln: „Trockene, einfache, kräftige, nicht verkünstelte und durch scharfe Gewürze verdorbene Hausmannskost und reines Wasser“.

Auch Pfarrer Kneipp gehört zu den Männern, die der Anwendung von Heilerde gebührende Anerkennung verschaffte. Er verabreichte sie innerlich und äußerlich als dicken Lehmbrei und als Lehmpflaster. In gewässertem Lehm wurden Leinenhemden eingetaucht, die die Kranken dann überzogen. Darüber wurde ein weiteres Hemd getragen und mit einer Wolldecke abgedeckt. Dem Lehmbrei mischte er oft noch den Sud von Kräutern bei.

Leider sind seine Lehmanwendungen in der Folgezeit aufgrund des Verarbeitungs- und Entsorgungsaufwandes in Vergessenheit geraten.

Lehm auf der Haut ist Heilerde. Lehm auf dem Boden ist „Schmutz“.



Autor: Dr. med. Axel Bolland