Louis Kuhne (1835–1900)

L. Kuhne war wie Th. Hahn und Rausse ein Prießnitz-Schüler. Mit starkem Selbstbewusstsein und großen Erfolgen ging er eigene Wege, stellte allerdings Thesen und Praktiken auf, die heute nicht mehr vertretbar sind.

Auch in der Diagnostik ging er eigene Wege. Er lehnte jede ärztliche Untersuchung ab und wollte mit seiner Gesichtsausdruckskunde alle Leiden feststellen und auch sich anbahnende erkennen. Seine Methode beruhte auf intuitiver Kraft und war, wie er auch selbst später zugab, weder lehr- noch erlernbar.

1883 gründete Kuhne in Leipzig seine Heilanstalt und schrieb sein Buch „Die neue Heil-wissentschaft", das über 120 Auflagen erlebte und in 24 Sprachen übersetzt wurde.

Kuhne vertrat die arznei- und operationslose Heilkunst. Die Homöopathie begrüßte er im Gegensatz zu dem „verderblichen Arzneimittelglauben“.

Schon zu Kuhnes Zeit beherrschte die Allopathie den Markt, und man behandelte überwiegend symptomatisch. Für Kuhne bedeutete es gewaltige Anstrengungen, von diesen Behandlungsmethoden loszukommen, um dafür in der Anfachung der Lebenskraft, in der Unterstützung der Selbstheilungskräfte, die wichtigste Aufgabe der Krankenbehandlung zu erkennen.

Kuhne sah die Hauptursachen von Krankheiten in der Überernährung mit nicht naturgemäßen Nahrungsmitteln.

Sein ganzheitlicher Denkansatz entspricht der modernen Anschauung der Naturärzte. Bei seiner Ansicht, dass er nicht Krankheiten sondern Kranke behandeln wolle, erinnert er an Prof. Schwenninger, den Leibarzt Bismarcks, dem es nicht auf die Bekämpfung irgendeiner Krankheitserscheinung, sondern auf die Gesundung des Kranken durch Hebung seiner eigenen Kräfte ankam.

Das nach ihm benannte Reibesitzbad, ist eine kurzzeitige, primär auf den Unterleib gerichtete, reizstarke Anwendung.




Autor: Dr. med. Axel Bolland