Zeit für eine Neubewertung der Meta-Analysen zur Homöopathie!

Ein schwedischer Professor für Anästhesie und Intensivmedizin und Forschungsleiter eines schwedischen Krankenhauses hat sich in die Diskussion zur Bewertung von homöopathischen Meta-Analysen eingebracht. Er kommt zu dem Schluss, dass die meisten der durchgeführten Meta-Analysen zur Wirksamkeit der Homöopathie schon im Ansatz eine Voreingenommenheit aufweisen. Durch den nicht immer plausiblen Ausschluss vieler Studien seien die Ergebnisse stark beeinflusst worden. Seine lesenswerte Arbeit ist in der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin erschienen.

Robert G. Hahn ist ein renommierter Mediziner aus Schweden, der als Professor für Anästhesie und Intensivmedizin an der Universität von Linköping und am Karolinska Institut lehrt sowie als Forschungsleiter des Södertälje Hospital in Södertälje in Schweden arbeitet. Motiviert durch die Auseinandersetzung um die Wirksamkeit der Homöopathie hat er sich mit der wissenschaftlichen Datenlage rund um die Homöopathie beschäftigt. Mit der Homöopathie hatte er bislang nichts zu tun.

Homöopathie spaltet die wissenschaftlichen Gemüter

Die Homöopathie hat in Europa eine lange Tradition. Dennoch werden die Diskussionen um das Verfahren sehr kontrovers geführt, weil der Wirkmechanismus bis heute ungeklärt geblieben ist. Hahn kommt nach der Durchsicht der bisher erstellten Untersuchungen zur Homöopathie zu der Einschätzung, dass die durchgeführten Meta-Analysen in hohem Maße von der Grundeinstellung der Forscher zur Homöopathie geprägt seien. Obwohl sich die Meta-Analysen alle auf die gleichen Studien und Untersuchungen stützen, kommen sie zu konträren Ergebnissen.

Meta-Analysen passend gemacht?

Hahn beleuchtet die Meta-Analysen zur Homöopathie seit 1997 und zieht das Fazit, dass die 1997 von Linde et al. (Lancet 1997; 350: 834-843) durchgeführte Untersuchung noch immer die beste Meta-Analyse zur Homöopathie sei. Sie zeige insgesamt eine Odds Ratio von 2,45 zu Gunsten der Homöopathie. Spätere Meta-Analysen kämen deshalb zu negativen Schlussfolgerungen, weil sie in sehr starkem Umfang Studiendaten ausschließen oder auch unangemessene Bewertungsmethoden wie den Funnel-Plot anwenden. Beim sogenannten Funnel-Plot handelt sich um eine Methode, die es ermöglicht, einen Verdacht auf Publikationsbias im Rahmen einer Metaanalyse zu überprüfen. Dieser erweise sich aber als fehlerhaft, wenn er, wie in diesem Fall, auf Studien zu unterschiedlichen Erkrankungen oder Arzneien angewendet wird.

Hahn zeigt die Schwächen der Analysen von Edzard Ernst, Cucherat et al. oder der vielzitierten und sehr umstrittenen Meta-Analyse von Shang et al. (Shang et al. Lancet 2005; 366: 726-732) auf. Die Gründe für den Ausschluss von Studien und Daten sei meist nicht ausreichend erklärt. In der Analyse von Shang wurde zum Beispiel dem Leser das Gesamtergebnis für die eingeschlossenen 110 Studien zur Homöopathie vorenthalten. Die Analyse beruhe lediglich auf acht Homöopathie-Studien, deren Auswahlkriterien in der Originalpublikation nicht erwähnt wurden.

Viele Falschaussagen zum Stand der Homöopathieforschung

Hahn kommt zu folgenden Schlussfolgerungen: Die Aussage, dass die Homöopathie nicht ausreichend erforscht sei, stimme nicht. Es gibt mehr RCTs zur Homöopathie als zu vielen Therapien in der konventionellen Medizin. Auch die Behauptungen, dass ein hoher Prozentsatz der Studien keine positiven Effekte der Homöopathie belegen könne oder die Studien von zu geringer Qualität seien, träfen nicht zu. Die Meta-Analysen von Ernst und Shang hätten nur durch die nicht nachvollziehbare starke Selektion der Studien zu dem Ergebnis kommen können, Homöopathie sei nicht wirksam. Die zugrundeliegende Gesamtdatenlage zeige statistisch vielmehr das Vorhandensein ihrer Wirksamkeit. Dies gälte auch für viele andere homöopathische Studien.

Zukunft der Homöopathieforschung

Hahn fordert eine objektive Evaluierung der Studien auf der Basis der Datenlage. In Zukunft sollten randomisierte klinische Studien zur Homöopathie zu den Erkrankungen durchgeführt werden, bei denen die Homöopathie am effektivsten wirke. Dazu zählen diejenigen, die in Verbindung mit dem Immunsystem stehen. Hier müssten klar fokussierte klinische Fragestellungen zu einzelnen Erkrankungen definiert werden. Dabei sollte die Homöopathie nicht nur mit Placebo, sondern möglichst auch mit konventionellen Therapien verglichen werden. So würde man eher dem Umstand Rechnung tragen, dass komplementärmedizinische Verfahren häufig einen relativ hohen unspezifischen Effekt hätten.

Weitere Informationen:

Homöopathieforscher zu Gast bei Hevert-Arzneimittel

Homöopathie-Forschung

Quelle:

Hahn RG: Homeopathy: meta-analyses of pooled clinical data. Forsch Komplementmed. 2013;20(5):376-81. doi: 10.1159/000355916. Epub 2013 Oct 17.



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