Nanopartikel helfen vor Gericht. Klage gegen Homöopathie-Unternehmen abgewiesen

Originalartikel von Tucker Ellis (USA, 18. September 2015) – In dem Fall Allen (Klägerin) versus Hyland‘s, Inc. (Beklagte) (Fallnummer 2:12-cv-01150 „Hyland‘s”) benötigten die Geschworenen eines US-Bundesgerichts noch nicht einmal einen ganzen Tag, um am Freitag, den 18. September 2015, die Beklagte von einer Sammelklage wegen „irreführender Werbung“ freizusprechen. Die Geschworenen befanden, dass die Beklagte weder die ausdrückliche Gewährleistung noch das kalifornische Verbraucherschutzgesetz (California Consumer Legal Remedies Act, California Civil Code sections 1750 et seq.) verletzt habe. Diese Entscheidung ist für alle Hersteller und Vertreiber von homöopathischen Arzneimitteln von großer Bedeutung.

Die Klägerin strebte einen Prozess gegen Hyland’s, Inc. mit dem Vorwurf der „falschen“ bzw. „irreführenden Darstellung der Wirksamkeit“ der aktiven Inhaltsstoffe bei mehreren von der Beklagten hergestellten und vermarkteten homöopathischen Arzneimitteln an.

Homöopathische Arzneimittel werden aus pflanzlichen, mineralischen oder biologischen Ausgangsstoffen hergestellt und gelten (in den USA) als apothekenpflichtige (OTC) oder verschreibungspflichtige Medikamente. Im Gegensatz zu allopathischen Medikamenten basieren homöopathische Arzneimittel zum Teil auf dem „Prinzip der Verdünnung”, bei dem die aktiven Wirkstoffe als wirksamer oder klinisch sinnvoller erachtet werden, wenn sie erheblich verdünnt werden, in der Regel mit destilliertem Wasser oder einer Alkohollösung.

Homöopathische Arzneimittel und deren Verpackung werden nicht durch die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde (Food and Drug Administration (FDA)), geprüft. Sie fallen vielmehr unter das amerikanische Lebensmittel-, Arzneimittel- und Kosmetikgesetz (Food, Drug, and Cosmetic Act) und müssen dementsprechend klassifiziert und gekennzeichnet werden. Grund dafür ist, dass der FDA nach eigenen Angaben „keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel vorlägen“.

Im August 2014 gab ein kalifornischer Bundesrichter einer Sammelklage von Käufern von Arzneimitteln des Unternehmens statt. Die Hauptklägerin behauptete, dass 12 homöopathische Arzneimittel der Beklagten (darunter einige für Säuglinge und Kinder) nicht wie beworben wirkten, da die Ausgangsstoffe aufgrund der Verdünnung im Grunde „nicht existent” und die Produkte deshalb für die beabsichtige Verwendung ungeeignet seien. Die Klägerin behauptete außerdem, dass die Beschriftungen „100% Natural”, „All Natural” und „Natural” auf homöopathischen Arzneimitteln falsch seien, da die Produkte chemische, synthetische oder künstlich hergestellte Substanzen bzw. gefährliche oder potentiell gefährliche Ausgangsstoffe enthielten.

Das Hyland’s-Verfahren dauerte fast zwei Wochen und umfasste Aussagen von Sachverständigen beider Seiten. Dr. Noel Rose, Leiter des Johns Hopkins Autoimmune Disease Research Center und Sachverständiger auf Seiten der Klägerin machte seine Aussage als medizinischer Sachverständiger, nachdem er die Materialien, die ihm vom Anwalt der Klägerin zur Verfügung gestellt worden waren, ausgewertet und seine eigenen Recherchen bezüglich klinischer Studien, Sachverständigenberichte, veröffentlichter Artikel in Fachzeitschriften sowie der Produkte von Hyland’s und deren Beschriftungen angestellt hatte. Dr. Rose erklärte im Verfahren: „Meiner Meinung nach gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen oder medizinischen Beweise dafür, dass die Produkte den Nutzen für Patienten mit Erkrankungen haben, der auf der Verpackung beschrieben und angegeben ist und der über einen Placebo-Effekt hinausgeht.”

Die Anwälte der Beklagten stützten ihre Verteidigung auf Dr. Iris Bell, einer ehemaligen Dozentin in Harvard mit akademischem Abschluss der Stanford University, die Hyland‘s, Inc. beim Design von klinischen Studien beratend unterstützt hatte. Bell bezog ihre Ausführungen vor allem auf ihre eigenen wissenschaftlichen Studien zu multipler Chemikalienüberempfindlichkeit und zur Homöopathie, in denen unter anderem die Wirkungen von „Nanopartikeln” und „Nanobubbles” in biologischen Zellen untersucht wurden. Dr. Bell meinte: „Es ist bekannt, dass Nanopartikel in niedrigen Dosen dazu fähig sind, Reaktionen im Sinne der Hormesis zu bewirken... ähnlich einer Impfung.” Dr. Bell erklärte, dass „Hormesis” ein medizinisches Prinzip sei, das erkläre, wie niedrige Dosen einer Substanz die gegensätzliche Wirkung von hohen Dosen derselben Substanz haben können.

Die Geschworenen, bestehend aus sechs Frauen und drei Männern, stimmten dem Antrag der Klägerin und ihrer Schadenersatzforderung von 255 Millionen US$ nicht zu und benötigten noch nicht einmal einen ganzen Tag, um ihr Urteil zu fällen.

Quelle:

Tucker Ellis, Ronie M. Schmelz, Matthew I. Kaplan und Ndubisi Ezeolu http://www.lexology.com/library/detail.aspx?g=7d9b009a-e041-422c-b9cc-bb0437958523



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