Folsäure und Vitamin B12 verbessern Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis

Ist eine langfristige Supplementierung von Folsäure und Vitamin B12 zur Prävention von Gedächtnisschwund bei älteren Menschen mit depressiven Symptomen geeignet? Dieser Frage ging eine australische Studie mit 900 Teilnehmern nach und beantwortete sie klar mit Ja.

Bekanntermaßen ist ein Anstieg der Homocystein-Werte unter anderem mit einem Mangel an Folsäure und Vitamin B12 assoziiert. Weiterhin gilt ein erhöhter Homocystein-Spiegel u. a. als Risikofaktor für kardiovaskuläre, aber auch für neurodegenerative Erkrankungen. Australische Wissenschaftler (Walker und Mitarbeiter) wollten in einem prospektiven Ansatz der Frage nachgehen, ob die Substitution von Folsäure und Vitamin B12 bei älteren Menschen den Gedächtnisschwund aufhalten kann.

An der kontrollierten, randomisierten und auf zwei Jahre angelegten – somit relativ kurzdauernden – Studie nahmen 900 Probanden im Alter zwischen 60 und 74 Jahren teil, die auf der K10-Screening-Skala, einer sehr leistungsfähigen Skala für die Erfassung psychischer Störungen, mindestens 15 Punkte aufwiesen. Die Teilnehmer erhielten täglich entweder 400 μg Folsäure und 100 μg Vitamin B12 oder Placebo. Nach 12 und 24 Monaten wurden die Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit anhand telefonisch durchgeführter Interviews mit den standardisierten Fragebögen TICS-M (Telephone Interview for Cognitive Status- Modified) und BTACT (Brief Test of Adult Cognition by Telephone) erhoben. Nach 24 Monaten wurde zusätzlich der IQCODE-Fragebogen (Informant Questionnaire on Cognitive Decline in the Elderly) verschickt und ausgewertet.

Verbesserte kognitive Funktionen

Nach 24-monatiger Einnahme von Folsäure und Vitamin B12 hatte sich die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmer der Verum- gegenüber der Placebo-Gruppe deutlich verbessert: Das Gesamtergebnis (TICS-M total) erreichte mit p=0,032 Signifikanz, ebenso das Ergebnis des sofortigen Abrufs einer Wortliste (TICS-M immediate) mit p=0,046 und des verzögerten Abrufs einer Wortliste (TICS-M delayed recall) mit p=0,013. Die Supplementierung von Folsäure und Vitamin B12 zeigte besonders deutliche Effekte auf das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis.

Die Verbesserungen bei den Parametern Orientierung, Aufmerksamkeit, semantisches Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit erreichten keine statistische Signifikanz.

Ergebnisse, die in die gleiche Richtung weisen, als zusätzlichen Parameter aber noch den Homocsystein-Spiegel mitberücksichtigen, hatten zuvor Hooshmand und Mitarbeiter präsentiert: Sie hatten die Zusammenhänge zwischen Serum- Homocystein-, Holotranscobalamin- (als Parameter der Vitamin B12-Versorgung) sowie Folsäure-Spiegeln und der kognitiven Funktionen bei Senioren untersucht. Nach sieben Jahren wurden deren kognitive bzw. psychomotorische Leistungsfähigkeit, Exekutivfunktionen und sprachliches Ausdrucksvermögen analysiert. Es zeigten sich deutliche Zusammenhänge zwischen hohen tHcy- Werten und signifikantem Nachlassen der generellen Kognitionsleistung, der Merkfähigkeit, der sprachlichen Agilität und den Exekutivfunktionen.

Die Studie von Walker und Mitarbeitern ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Gabe von Folsäure und Vitamin B 12 (z. B. Vitamin B12-Hevert plus Folsäure-Hevert ) dem Abbau der geistigen Leistung vorbeugt und die kognitiven Fähigkeiten der älteren Generation erheblich verbessert. Nebenbei wurden auch die Ergebnisse der VITACOG-Studie bestätigt (signifikante Verringerung der Homocystein-Spiegel sowie der altersbedingten Gehirn-Degeneration durch Supplementierung von Vitamin B6, B12 und Folsäure).

Den Leitfaden für Fachkreise zum Thema B-Vitamine mit ergänzenden Informationen finden Sie hier


Quellen:

  • Walker JG, Batterham PJ, Mackinnon AJ, Jorm AF, Hickie I et al. Long-term supplementation of daily oral 400 μg FA + 100 μg vitamin B-12 promotes improvement in cognitive functioning after 24 months, particularly in immediate and delayed memory performance. Am J Clin Nutr. 2012;95(1):194-203
  • Hooshmand B et al. Homocysteine and holotranscobalamin and the risk of Alzheimer disease: a longitudinal study. Neurology 2010;75(16):1408-14
  • Smith AD et al. Homocysteine-lowering by B vitamins slows the rate of accelerated brain atrophy in mild cognitive impairment: a randomized controlled trial. PLoS One 2010;5(9):e12244


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