Pastor Felke (1856–1926)

Pastor Felke wurde am 7. Februar 1856 in die Zeit der Laienheiler wie Prießnitz, Baltzer (u.a.) geboren, die eine Aufbruchsstimmung zur Naturheiltherapie schafften, die von den zahlreichen Naturheilvereinen getragen wurde.

Pastor Felke (1856–1926)

Sein Vater, Lehrer, und seine Mutter, Pfarrerstochter, gaben ihm wie vorausahnend die Namen Emanuel Leopold Stephanus Erdmann (Kramer W. Der Lehmpastor Felke). Mit seinen Namen wurde sein Lebenswerk symbolhaft und für ihn zukunftsweisend charakterisiert.

Leopold: Für mein Volk tapfer.

Auf Grund der vielen Anfeindungen, besonders durch die Ärzteschaft, brauchte er viel Tapferkeit während seines Lebens.

Er musste mehrere Prozesse ertragen, aufgezwungen durch Menschen, die ihm seine Erfolge als Heiler und Naturheilkundiger neideten.

Auch die Kirche war mit seiner Heiltätigkeit nicht einverstanden.

Stephanus: Die Ehrenkrone

Emanuel war der Rufname des Pastors. Hierin zeigt sich der tiefe Glaube, seine Überzeugung und seine innere Haltung, die der Pastor in seiner Bescheidenheit und Schlichtheit lebte.

Als Felke seinen Beruf als Pfarrer aufgab und sich weiterhin nur noch der Heilkunst widmete, sagte er einmal: „Ich habe meinen Beruf aufgegeben, aber nicht meine Berufung.“ Er blieb sein Leben lang Priesterarzt.

Erdmann: Mann der Erde

Dieser Beiname charakterisiert seinen Bezug zur Natur und speziell zur Erde. Er sagte einmal: „Man muss den Menschen nur in die Erde hineinsetzen, aus der er geschaffen wurde.“ Das Lehmbad, das viele Tiere intuitiv nutzen, hat er für die Menschen zum kräftigenden Heilbad erhoben.

Er lehrte, dass die Nahrung des Menschen als Heilnahrung erdverbunden und unverdorben sein muss.

Seine streng christliche Erziehung prägte seinen Lebensweg ebenso wie die phytotherapeutischen und homöopathischen Heilerfolge des Vaters in der kinderreichen Familie. Felke wuchs im Kreise seiner fünf Brüder und drei Schwestern auf.

In seiner Jugend streifte er am liebsten draußen in der freien Natur herum und machte sich mit Tieren und Pflanzen bekannt. Sein Vater weckte sein Interesse an HeiIpflanzen.

Er studierte auf Wunsch der Mutter Theologie in Berlin, besuchte nebenbei medizinische Vorlesungen und beschäftigte sich privat mit der Homöopathie.

1887 übernahm er die Pfarrstelle in Cronenberg bei Elberfeld.

1890 brach dort eine Diphterie-Epidemie aus. Kinder, die von den Cronenberger Ärzten behandelt wurden, starben, während die von Pastor Felke mit Mercurius cyanatus C 30 behandelten Kinder überlebten.

Aus dieser Situation entwickelt sich eine Sprechstunde für Gemeindemitglieder.

1894 übernimmt Felke die Pfarrstelle in Repelen am Niederrhein bei Moers.

1898, beeindruckt von Adolf Justs Buch „Kehrt zurück zur Natur“ und eigenen Erfolgen mit Lehmpackungen, besichtigt Felke mit Gemeindevertretern von Repelen den von AdoIf Just gegründeten „Jungborn“ im Eckertal im Harz. Danach erfolgte die Gründung des ersten Felke-Jungborns in Repelen. Im Gegensatz zu Just bemühte sich Felke mehr um die äußerliche Anwendung von Heilerden und integrierte Phytotherapie und Homöopathie als arzneiliche Therapien.

1898 erläutert Pastor Felke erstmals vor mehr als tausend Zuhörern seine Heilmethode.

Der Vortrag löst die Felkebewegung aus, die auf der Grundidee des gesunden Lebens beruht.

1900 erfolgt die Gründung des ersten Felke-Vereins. Der Homberger Lehrer Andres Müller veröffentlicht sein von Felke inspiriertes Buch „Pastor Felke und seine Heilmethode“.

1907 legte Andres Dhonau, der Großvater des Bad Sobernheimer Arztes Dr. med. Axel Bolland und Urgroßvater der heutigen Besitzer des Kurhauses Dhonau/Romantikhotel Bollant’s, mit dem Bau zweier Lufthütten den Grundstein für das erste Felke-Kurhaus in Bad Sobernheim, das heutige Kurhaus Dhonau.

1914 schreibt Felke an Andres Dhonau: „Ich werde Repelen verlassen und mich zunächst in Euerer Nähe niederlassen, um wenn’s Euch recht ist, Eurem Jungborn mit unter die Arme zu greifen, um also eine Stätte zu haben, wo meine Grundsätze richtig befolgt werden.“

Maria Rheinfeld gibt ihr mit Felke gemeinsam erarbeitetes Buch „Das Handbuch der Felke Heilweise. Praktischer Ratgeber in allen Krankheitsfällen“ heraus.

1915 zieht Felke nach Sobernheim, eröffnet dort seine Praxis und leitet die Kur im Kurhaus Dhonau, damals noch „Felke Jungbornpark“.

1926 stirbt Felke in einer Münchner Klinik an Magenkrebs.



Autor: Dr. med. Axel Bolland