Naturheilvereine

Bereits 1822 wurde der erste „Verein der Wasserfreunde“ gegründet. Diesem Verein folgte 1835 der „Hydrodiätetische Verein“ in Dresden, der seine Aufgabe darin sah „der Verbreitung eines allgemeinen und fleißigen Gebrauchs des reinen, frischen Wassers zur Stärkung und Erhaltung, erforderlichenfalls auch zur Wiederherstellung der Gesundheit zu dienen“.

In der Folgezeit wurden Prießnitz-, Kneipp-, Felke-, und andere Naturheilvereine gegründet.

L. Gleich, der den 1848 gegründeten „Verein zu Förderung der Naturheilverfahren“ führte, bekräftigte in seinen Vorträgen die Einführung des Begriffs Naturheilverfahren, da sich aus der anfangs bevorzugten Hydrotherapie eine umfassende Anwendung aller Naturheilverfahren entwickelt hatte.

Die Naturheilvereine schlossen sich 1889 zum „Deutschen Bund der Vereine für Gesundheitspflege und arzneilose Heilweise“ zusammen, der 142 Ortsvereine mit 19.000 Mitgliedern vertrat.

Bis 1913 war die Mitgliederzahl dieses Bundes bereits auf über 150.000 Mitglieder gestiegen. Durch die beiden Weltkriege wurde die kontinuierliche Entwicklung der Naturheilkunde empfindlich gestört. Die Chirurgie trat unfreiwillig ganz in den Vordergrund. Naturheilkundliche Stationen und Kliniken wurden geschlossen und der Chirurgie zugewiesen. Die Lehre und Forschung in der Naturheilkunde brach zusammen.

Aus dieser Zeit der Diskussion um die Bedeutung der Naturheilkraft (= Immunsystem) haben die Naturheilvereine ihren Ursprung. Ziel waren Erhaltung der Gesundheit, oder die Behandlung zur Wiederherstellung der Gesundheit, in einer Zeit der wachsenden Unzufriedenheit der Menschen mit der orthodoxen Medizin und ihren Behandlungsmethoden.

Zur Zeit der Laienärzte mit ihren Naturheilvereinen wurde im Jahr 1856 Pastor Emanuel Felke in Kläden in der Altmark geboren.

Im Erleben und Erkennen des Zeitgeistes liegt die Begründung seiner Entwicklung und Handlungsweise.

„Geschichte und Philosophie sind die unentbehrlichen Grundlagen jeder Wissenschaft“ (Aristoteles)

Wie sich das Verständnis für die Naturheilkräfte entwickelt hat, zeigt uns, dass Grundlagen der Selbstheilung und der Gesunderhaltung zu allen Zeiten bedacht wurden.

Rückblickend erkennen wir, dass einige Menschen sehr früh die Selbstheilungskräfte erkannten und werteten, während andere diese Vorstellung ohne weitere Überprüfung, rein philosophisch, ablehnten.

Heute erobert das wiederentdeckte Gefühl für Selbstheilung und Gesunderhaltung unter dem Begriff Wellness die Welt.

Wellness in einfacher, oberflächlicher Form findet man heute in vielen Hotels.

Solarium =

Licht

Sauna =

Schwitzen = Entgiftung = Ausleitung = Entspannung durch Wärme

Schwimmbad =

Bewegung = Entspannung

Massage =

vordergründige Entspannung der Muskulatur

Ernährung =

mehrgängige Menus

In ganz besonderer Form wurde der Wellnessgedanke, in anderer Wertevorstellung, vor rund 100 Jahren durch Pastor Felke geprägt.



Autor: Dr. med. Axel Bolland