Wirksamkeit von Homöopathie erneut zu Unrecht in Frage gestellt

Einmal mehr wurde in der Presse, auch in Deutschland (7), negativ über die Homöopathie berichtet. Auslöser diesmal: ein Report der australischen Gesundheitsbehörde National Health and Medical Research Council (NHMRC). Der Studie zufolge wirke Homöopathie nicht besser als Placebo. Auch gäbe es keinen soliden Nachweis über die Wirksamkeit von Homöopathie bei der Behandlung verschiedener Krankheiten. Auf den ersten Blick ein niederschmetterndes Urteil. Aber was ist tatsächlich dran an den Ergebnissen?

Weltweit haben Homöopathie-Institutionen die Untersuchungsergebnisse des NHMRC-Reports analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Bericht hauptsächlich die Probleme der Beurteilung von Studien zur Homöopathie aufzeigt, nicht aber ihre Wirkungslosigkeit. Institutionen der Homöopathie verlangen größere und umfassender kontrollierte Studien und mehr finanzielle Unterstützung. Außerdem halten sie fest, dass der Bericht den zahlreich vorhandenen Studien zur Homöopathie, die positive Therapieergebnisse aufzeigten, nicht gerecht wird.

Der Vorstoß der australischen Gesundheitsbehörde National Health and Medical Research Council (NHMRC) in Richtung einer Beurteilung der Grundlagen der Homöopathie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Bis jetzt haben nur wenige Länder den Versuch einer objektiven und gründlichen Bewertung von wissenschaftlichen Studien zur Homöopathie unternommen, was tatsächlich dringend notwendig war. Aber genau an diesem Punkt fangen die Schwierigkeiten an. Wie sähe eine objektive und sorgfältige Beurteilung der Homöopathie aus? Bevor wir uns dieser Frage widmen, sollten wir die vorliegenden Studienergebnisse untersuchen, nämlich den NHMRC-Report und den daraus resultierenden Entwurf für ein Informationspapier für die australische Bevölkerung. (1)

Hintergünde zum NHMRC-Report

In Australien ist der National Health and Medical Research Council (NHMRC) für die Beratung in Sachen Gesundheit und Behandlung von Krankheiten verantwortlich. Gegenwärtig lautet der strategische Plan, medizinische Therapien und Behandlungen zu beleuchten, die nicht als evidenzbasiert gelten, wie Homöopathie und viele andere Verfahren der Komplementärmedizin. Wohl wissend, dass zahlreiche staatlich finanzierte Gesundheitssysteme homöopathische Behandlungsmethoden abdecken und diese weltweit häufig Anwendung finden, hat der NHMRC sich der Homöopathie, ihrer Wirkweise und Sicherheit als medizinische Therapie gewidmet. Das erklärte Ziel war, die Ergebnisse der Untersuchungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um „die Entscheidungsfindung von Politikern zu vereinfachen und die Bevölkerung darin zu unterstützen, wohl informierte Entscheidungen bezüglich der eigenen Gesundheit treffen zu können“. (1)

Die Ergebnisse des Reports zur Homöopathie mit dem Namen „Wirksamkeit der Homöopathie nach klinischen Standards“ („Effectiveness of Homeopathy for Clinical Conditions“) werden in einem Informationspapier mit Stellungnahme zur Homöopathie zusammengefasst. Bis jetzt wurde lediglich ein Diskussionsentwurf veröffentlicht. Sobald finalisiert, wird das Dokument der australischen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. (2)

NHMRC-Report: Ziel, Methode und veröffentlichte Ergebnisse

Ziel des Reports war „die Zusammenfassung von wissenschaftlichen Nachweisen aus systematischen Reviews (Übersichtsstudien) zur Wirksamkeit von Homöopathie bei der Behandlung von Krankheiten am Menschen.“ (1)

Der Report des NHMRC wurde durch das Forschungsinstitut OPTUM ausgearbeitet, unterstützt durch eine Gruppe von wissenschaftlichen Experten ohne Homöopathiehintergrund, die sogenannte Homöopathische Arbeitsgruppe. Sie beschlossen eine Beschränkung der Untersuchung auf systematische Reviews kontrollierter klinischer Homöopathiestudien am Menschen, anstelle von Einzelstudien zur Homöopathie – trotz bekannter Einschränkungen dieser Vorgehensweise. (1)

Der NHMRC behauptet, dass die Beurteilung der systematischen Reviews schwierig war, da diese zahlreiche kleine sowie schlecht konzipierte Studien umfassten. Außerdem musste der NHMRC mit dem Reporting innerhalb dieser Reviews vorliebnehmen, was häufig qualitativ nicht ansprechend war. Der NHMRC weißt auch darauf hin, dass einige Reviews keine spezifischen Schlüsse auf das jeweilige klinische Krankheitsbild, das eigentlich untersucht worden sei, lieferten.

Ungeachtet dessen lautet die übergreifende Schlussfolgerung des fertigen Reports, dass „die verfügbare Datengrundlage nicht überzeugend sei und nicht belegen könne, dass Homöopathie eine wirksame Behandlung der beschriebenen klinischen Studien am Menschen sei“. (1)

Verwendung einer ungeeigneten Untersuchungsmethode

Der alleinige Fokus auf systematische Reviews ist ein Punkt, welcher den Report in Frage stellt. Homöopathie ist ein medizinisches System mit stark individualisierten Behandlungsmethoden, welche die Anwendung standardisierter Bewertungstools der Schulmedizin, wie Reviews und Metaanalysen, schwer oder unmöglich macht. (3) Diese Tatsache ist seit vielen Jahren bekannt und es ist überraschend, dass der NHMRC dennoch entschieden hat, sich einzig auf solche Reviews zu konzentrieren und damit auf einen Typ Untersuchungsmethode, der mehr als unangemessen für die Homöopathie ist.

Verzerrtes Bild der Wirksamkeit von Homöopathie

Das Ergebnis dieser ungeeigneten Herangehensweise: Der Report des NHMRC gibt ein falsches Bild der Studien, die in der Homöopathie durchgeführt wurden. Keineswegs belegen alle die Unwirksamkeit homöopathischer Behandlungsmethoden, wie der Report behauptet. Aus diesem Grund widerspricht das Homöopathische Forschungsinstitut (Homeopathic Research Institute, HRI) den finalen Schlussfolgerungen des NHMRC-Reports und betont, dass zum Beispiel „die Datengrundlage für die Wirksamkeit homöopathischer Behandlungsmethoden für Entzündungen der obere Atemwege überzeugend sei“. Auf Basis der Studienbeispiele im Bereich der oberen Atemwege zeigen sie die Schwächen der Untersuchungsmethode des Reports auf. Ein weiterer Punkt ist, dass „die Qualität der homöopathischen Herangehensweise der jeweiligen Studien keine Berücksichtigung fand“. (4)

Ähnlich enttäuscht vom Report des NHMRC ist die Australische Gesellschaft für Homöopathie (Australian Homoepathic Association, AHA). Sie kritisiert ebenfalls „die Vorgehensweise der Wissenschaftler, lediglich eine Untersuchungsmethode berücksichtigt zu haben.“ „Andere Methoden, die besser geeignet gewesen wären, um die tatsächliche Anwendung der Homöopathie in der klinischen Praxis zu beleuchten, seien ausgeschlossen worden.“ Die AHA macht auch darauf aufmerksam, dass in der NHMRC-Arbeitsgruppe kein ausgebildeter und qualifizierter Homöopath vertreten war. (5)

Was wir von dem Report lernen können

In der Homöopathie-Community herrscht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass der Report mit seiner Schlussfolgerung richtig liegt: „Es gibt einen Mangel an qualitativ hochwertigen Studien von ausreichendem Umfang, die die Wirksamkeit der Homöopathie bei der Behandlung von Krankheiten untersuchen.“ (1) Die Mehrheit der Studien zur Homöopathie arbeitet tatsächlich nur mit kleinen Patientenzahlen. Der Hauptgrund dafür sind die enormen Kosten, die mit der Durchführung großer Studien verbunden sind. Finanzielle Unterstützung für Homöopathiestudien kommt hauptsächlich von Seiten privater Stiftungen oder der homöopathischen Industrie und ist im Vergleich zu Forschungen im Bereich konventioneller Medizin leider recht überschaubar. Dementsprechend der Kommentar des HRI: „Der Report zeigt lediglich, was wir bereits wussten – wir brauchen mehr qualitativ hochwertige Homöopathie-Forschung. Bis dahin wird die Forschung immer offen für Interpretationen in einigen Bereichen sein oder völlig ergebnislos in anderen.“ (4)

Was bleibt ist die Frage nach der Neutralität der Personen, die homöopathische Studien beurteilen. Erst kürzlich veröffentlichte Prof. Robert G. Hahn einen Artikel (6) über Metaanalysen zur Homöopathie. Seine Auswertung der existierenden Studien und Reviews belegt, dass homöopathische Arzneimittel Placebo häufig überlegen sind. Hahn macht darauf aufmerksam, dass eine große Anzahl von Metaanalysen auf einem weitgehenden Ausschluss homöopathischer Studien beruht und von einer „Voreingenommenheit“, abhängig vom „Glauben“ des jeweiligen Forschers, gelenkt ist.

Quellen

  1. https://www.nhmrc.gov.au/_files_nhmrc/file/your_health/complementary_medicines/nhmrc_homeopathy_overview_report_october_2013_140407.pdf
  2. http://consultations.nhmrc.gov.au/public_consultations/homeopathy_health
  3. See also: http://www.hevert.com/market-de/heilpraktiker/de/arzneimittel/homoeopathie-forschung
  4. http://www.homeoinst.org/news/hri-response-australian-nhmrc-report
  5. http://www.homeopathyoz.org/NewsView.asp?ID=144
  6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24200828
  7. http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/studie-aus-australien-homoeopathie-nicht-besser-als-placebo-12887980.html
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